spots & candles (2005)
über zwei Arten, sich aufzulösen



Daniel Weissberg setzte die trockenen, manchmal fast zynischen Gedichte von Dieter Fringeli für Singstimme und Schlagzeug und entging damit - sicherlich ganz im Sinne Fringelis - der tückischen Konnotation des „Liedes“ mit dem Klavier. Seine Musik bleibt wohltuend rhetorisch, ohne die Textinterpretation verdoppeln zu wollen. Die transparente Instrumentation verwendet neben ungestimmten Instrumenten auch ein Zimbal (ungarisches Hackbrett; in der Version von canto battuto wird es durch eine Marimba ersetzt.) Die Singstimme betont die lakonische Schärfe der Texte.

Dem gegenüber steht die zwar sparsam instrumentierte, jedoch in espressivem Gestus gehaltene Vertonung von Auszügen aus den Scivias von Hildegard von Bingen durch Daniel Sprintz. Es dominieren lang klingende Instrumente (Glocken, Crotales, Gongs), eine fliessend erzählende Singstimme mischt sich damit und nimmt den Hörer in einen Erzählstrom hinein.

So gegensätzlich die beiden Werke auch sind: in beiden geht es um Intensivierung - durch Verdichtung bei Fringeli, durch Ausdehnung bei Hildegard von Bingen- und beide streben letztlich nach der zugleich ersehnten und gefürchteten Auflösung des Ichs.

Programm

Daniel Weissberg ich bin mein gutes recht (1999)
(*1954, CH) Nach Gedichten von Dieter Fringeli

Daniel H. Sprintz Illuminations (2000)
(*1965, E) Nach Texten der Scivias von Hildegard von Bingen
(Das Duo ist Teil des mehrteiligen Zyklus Illustrations de l‘âme)
Komponiert für canto battuto


Programmheft spots & candles als pdf


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